Reisebericht China 2026: Hekai, Pasha und Badashan


Seit zwei Jahren tragen wir die Idee mit uns, analog zum Set Pu Er Mini Cakes Ost mit Tees aus Yiwu, Yibang, Manzhuang und Youle ein weiteres Set mit mini Cakes zu machen, dieses Mal von sechs Teebergen westlich des Flusses Mekong, chinesisch Lancangjiang. Im Bezirk Xishuangbanna liegen die gefragtesten und berühmtesten Teeberge mit alten Teebäumen. Während die Teeberge im Osten mit dem bekannten Yiwu eher weiche und süsse Tees ergeben, glänzen die Tees vom Osten mit dem Menghai-Geschmack, mit kräftigen und spannenden bitteren Noten.
Letztes Jahr haben wir von verschiedenen Teebergen diverse Muster erhalten. Unser Freund und Partner Liping von Les Feuilles Vertes hat sie über sein Netz an Kontakten in Yunnan organisiert. Neben unseren bereits seit Jahren produzierten Pu Er aus dem Westen von Xishuangbanna - Bulangshan, Nannuoshan, Mengsong - haben wir aus dieser Mustersammlung 3-4 weitere Berge ausgesucht. Nun gilt es, die ProduzentInnen zu kontaktieren und die Teegärten zu besuchen. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Die einen melden sich nicht mehr, die anderen sind Kontakte von Kontakten und laufen über Umwege. Oder wir merken, dass die Muster von jemand anderem waren als dem Teebauern, den wir besuchen.
Um die Qualität zu garantieren, wollen wir unbedingt die Produktionsstätte und die Teewälder sehen, wo das Pflückgut herkommt, wir wollen die ProduzentInnen kennen, fast immer kleine Familienbetriebe, oft mit einem schweigsamen Mann, der den Tee macht und einer lebendig-quirligen Frau, die die Geschäfte abwickelt und zusammen mit den Eltern das Teepflücken organisiert. Doch die Rollen sind nicht so fix, auch die Männer pflücken und können sympathisch-beredte Verkäufer sein; und auch Frauen können den Tee verarbeiten, ist allerdings eher selten.

Wie überall gibt es auch an diesen Bergen verschiedene Dörfer mit jeweils verschiedenen Teewäldern mit mehr oder weniger Biodiversität, mit Gu Shu, also alten Teebäumen, mit Qiao Mu oder Da Shu genannten hochgewachsenen Teebäumen unter 100 Jahren sowie mit kleinwüchsigen Xiao Shu oder Sheng Tai Teebüschen. Es gibt berühmte Terroirs, oft um einen besonders alten Baum (Cha Wang Shu, Tee König Baum genannt) gelegen, die deutlich teurer sind als weniger bekannte, tiefer gelegene. Sehr oft sind die berühmten Terroirs auch besser, jedoch nicht immer… Es werden jeweils pure Tees hergestellt als auch zwischen verschiedenen Teewäldern gemischt oder sogar von klein über gross bis alt über verschiedene Teebaum-Qualitäten gemischt gepflückt. Alles ist möglich, weshalb es unglaublich wichtig ist, persönlich vor Ort zu sein, die Tees zu probieren und die ProduzentInnen zu kennen um abzuschätzen, ob wir ihnen vertrauen können. Es gilt überall Muster mitzunehmen, um sie dann in Ruhe und vergleichend zu verkosten, um fundierte Entscheidungen treffen zu können. Oft sind erst wenige Tees gepflückt worden, die alten Teebäume sind oft noch nicht bereit - Gu Shu fangen später an zu knospen als jüngere Bäumchen. Wir probieren Tees vom letzten Jahr und nehmen auch Muster mit, es geht auch darum festzustellen ob die Qualität der Verarbeitung konstant ist.
Ende März 2026 sind wir zu den drei Bergen Hekai, Pasha und Badashan gefahren. Vorbei am Nannuoshan bis in die Ebene von Menghai sind die Strasse gut ausgebaut, nachher geht es über kleine Strässchen in die Berge. Allerdings sind diese auch deutlich besser und angenehmer zu fahren als noch vor 10 Jahren, wo es nur staubige Feldwege oder holprige Pflastersteinstrassen gab.

In Hekai haben wir zwei Teebauernfamilien besucht. Die eine bewirtschaftet den Teewald an der Toplage von Hekai, im Dorf Manlong Laozhai um den von der Bezirksregierung geschützten Teebaum Nr. 4, der 1400 Jahre alt sei. Die andere hat einen etwas tiefer gelegenen Teewald mit einer wunderbaren Biodiversität. Es ist wie so oft - der eine ist berühmter und höher gelegen, jedoch in einem lichten Wald, der andere ist tiefer unten, weniger gefragt, doch in einem viel dichterem Wald, wo die Teebäume besser vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind und in ihrer natürlichen Umgebung wachsen. Beide ProduzentInnenpaare sind sehr sympathisch, allerdings ist die eine Produktionsstätte nicht so toll, und es wäre wohl nötig, unsere Freunde vom Nannuoshan zu bemühen, hier das Pflückgut zu holen und bei sich am Nannuoshan zu verarbeiten. Selbstverständlich sind die Preise der Tees aus den beiden sehr unterschiedlich. Und ja, wir konnten vom Tee aus dem einen 1400jährigen Baum trinken. Ziemlich gut, aber aufgrund seiner Berühmtheit unverschämt teurer (noch teurer als jede/r jetzt denkt)
In Pasha haben wir eine ProduzentInnenfamilie im Dorf Pasha Zhongzhai besucht, bekannte derjenigen vom Nannuoshan. Sie bewirtschaften einen Teil des Teewaldes von Xiniutang, Nilpferdteich. Zu Urzeiten sollen dort Flusspferde zur Wasserstelle gegangen sein. Xiniutang gilt als der beste Teegarten in Pasha. Ein sehr schöner Wald mit hoher Biodiversität und hohen Bäumen zum Schutz der alten Teebäume. Diesjährigen Tee gibt es allerdings vorerst nur aus mittelgrossen Bäumen, die alten Teebäume sind noch nicht so weit. Wir konnten Muster vom letztjährigen Gu Shu Pu Er mitnehmen.

Am Badashan sind wir ins Dorf Zhanglang gefahren. In unserem Sortiment haben wir bisher Pu Er Sheng Tai, Badashan Xiaoshu und den Weissen Tee Dian Mu Dan Bingcha, alle aus dem Dorf Xiding. In Zhanglang gibt es auch Gu Shu Pu Er, allerdings nicht so viel. Im Dorf Zhanglang Guzhaicun haben wir einen sehr sympathischen jungen Mann getroffen, der mit seiner Familie verschiedene Teewälder in der Nähe bewirtschaftet, mit einigen Gu Shu sowie mittelgrossen und kleinen Teebäumen. Von allen drei Qualitäten hatten wir letztes Jahr Muster gehabt, und auch vor Ort waren wir mit der Herstellung zufrieden. Allerdings hat auch er von diesem Jahr noch kaum frischen Tee, jedoch einen hervorragenden Gu Shu Pu Er vom letzten Jahr von seinem besseren Teewald, den wir nicht als Muster erhalten hatten.
Im Nachgang der Besuche geht es für uns darum, die neuen Muster untereinander zu vergleichen auf Qualität und Typizität, das heisst ob sie wirklich dem Bild des jeweiligen Teeberges entsprechen und auch im Verhältnis von Preis und Qualität stimmen. Dann werden wir entscheiden, mit welchen Tees wir mini Cakes machen und ob wir noch einen anderen Tee kaufen und zu grossen Cakes pressen oder im losen Blatt verkaufen wollen. Und, noch sind die Tees nicht produziert - wem können wir vertrauen, welche Produktion wird gut sein, wo können wir He San und He Tu vom Nannuoshan schicken, um das Pflückgut zu holen und selber zu verarbeiten. Sie haben auch ihren eigenen Teewälder zu bewirtschaften und die Frage ist, wie gut sie den typischen Terroirgeschmack anderer Orte hinkriegen. Bisherige Erfahrungen mit Pflückgut von den Bergen Bulangshan und Mengsong sind sehr gut.










































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