Reisebericht Taiwan 2026


Entwicklung des Tee-Anbaus in Taiwan
Die Insel Taiwan hat eine junge Teekultur. Als Portugiesen und Holländer und Spanier im 16. und 17. Jahrhundert nach Taiwan kamen, war sie von austronesischen Ureinwohner und asiatischen Piraten bewohnt. Die Holländer sollen bereits Tee aus wilden Teebäumen nach Europa exportiert haben, was schwierig zu belegen ist. Sie haben Taiwan vor allem als Umschlagplatz für Tee aus China genutzt. Im 18. Jahrhundert erklärte die Qing-Dynastie Taiwan zu ihrem Territorium, eine verstärkte Besiedlung durch Han-ChinesInnen vor allem aus Süd-Fujian folgte. Nun wurde auch begonnen, auf Taiwan Tee anzubauen, nach den von den chinesischen EinwandererInnen bekannten Methoden und Teepflanzen aus Anxi. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts entstanden mit Dong Ding Wu Long in der Mitte der Insel und Mu Zha Tie Guan Yin nahe Taibei die ersten bekannten Tees. Auf Initiative eines Schotten wurde ebenfalls im 19. Jahrhundert begonnen, im grossen Stil Tee für den Export in den Westen zu produzieren, genannt Formosa Oolong. Die ProduzentInnen verkaufen den Tee an westliche Aufkäufer, die den Tee verpackten und verschifften, daher der Name Fan Zhuang Wu Long auf chinesisch. Barbaren (also Westler) Verpacken Schwarzer Drache (also Oolong) - daraus ist dann Fancy Oolong geworden. Damals entstand auch der Oriental Beauty, als ein Teebauer seine Blätter trotz Insektenbefall (durch die klein Blatt grün Zikade Xiaoyelüchan) verarbeitete und verkaufte. Der stärker oxidierte und honigsüsse Tee soll der Legende nach der Königin von England so gefallen haben, dass sie ihn Oriental Beauty nannte - rückübersetzt auf Chinesisch also Dong Fang Mei Ren; er wird auf Taiwan auch Bai Hao Wu Long (Weiss Haar Oolong) genannt. Während der japanischen Herrschaft im 20. Jahrhundert wurde versucht, Formosa Black Tea für den Weltmarkt herzustellen, wofür sogar assamica-Teepflanzen nach Taiwan gebracht wurden. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung Taiwans, nunmehr als Republik China, wurden die Anbauflächen für Tee kleiner und die Arbeitskraft teurer. Die bekannten Teegärten wie zum Beispiel am Dongding waren übernutzt, in den 80er Jahren wurde begonnen, Tee in höheren Lagen in den taiwanesischen Bergen anzubauen. Der Gao Shan Cha oder High Mountain Tea war geboren und ist auch ein Zeichen taiwanesischer Selbstbehauptung, denn nun wurde Tee in hoher Qualität produziert für die ansässige Mehrheitsbevölkerung statt für den Export.

Besuch bei Ye Xian
In den Bergen bei Baolai, in der Region der Stadt Gaoxiong (Kaohsiung) baut Ye Xian Teepflanzen der Varietät Jin Xuan an. Wunderschöne Teegärten an einer sehr schönen Lage, steile Hänge und wunderschöne Biodiversität. Er produziert im Frühling High Mountain Tea und im Sommer/Herbst Dong Fang Mei Ren in einer unglaublichen Qualität. Ye Xian ist aber nicht einfach nur ein lokaler Teeproduzent, er forscht und experimentiert seit Jahrzehnten zur Verarbeitung von Oolong und auch anderer Verarbeitungsarten, mit dem Ziel, das Zoushui, das Gehen des Wassers, zu kontrollieren. Denn je besser die Feuchtigkeit aus dem Blatt weicht, desto weniger bitter und adstringierend wird der Tee. Alle Prozesse der Teeverarbeitung haben einen Einfluss auf die Feuchtigkeitsverteilung im Blatt, und abgesehen von zu starker Röstung sind die meisten Teefehler auf ein Problem mit Zoushui zurückzuführen. Die von Ye Xian produzierten Tees sind allesamt sehr leicht und süss, elegant und filigran.
Ye Xian ist in Taiwan und ganz Festlandchina unterwegs und produziert Tee mit und bei verschiedenen ProduzentInnen. So haben wir ihn bei unserem Besuch in Anxi in Jahr 2015 angetroffen. Weng Liping von Les Feuilles Vertes kennt ihn schon länger und hatte damals seinen Besuch bei unserer Produzentenfamilie in Anxi eingefädelt. Nun hat er uns in Baolai abgeholt und uns zu seinem Teegarten in den Bergen gefahren. Unterhalb des Teegartens wachsen weitläufig alte Pflaumenbäume. Oben auf dem Berg in seiner Hütte, wo er auch lebt, haben wir den ganzen Nachmittag Tee getrunken, verschiedene Dongfang Meiren unterschiedlicher Erntezeiten, Jin Xuan Gao Shan Cha; dazu einige kürzlich von ihm am Emeishan in Sichuan produzierte Gelbe und Schwarze Tees. Eigentlich hätten wir auch Pflücken und Produktion sehen wollen, aber aufgrund der Trockenheit dieses Winters sind die Blätter noch nicht soweit. Ein weiteres grosses Problem sei es, genügend TeepflückerInnen zu finden; das hatte ich auch auf früheren Taiwan-Reisen schon gehört.








Weitere vorgesehene Besuche...
Die weitere Reise hätte uns zum Berg Dongding und weiter nach Shanlinxi führen sollen, später eventuell noch nach Pinglin für Wenshan Baozhong. Wir wollten Teemeister besuchen, die noch nach traditioneller Art Tee herstellen und nicht im übertrieben grünen Qingxiangxing-Stil. Allerdings hatte bisher noch keiner der Kontakte von Weng Liping geantwortet. Wir sprachen Ye Ian darauf an, der ja sehr viele TeeproduzentInnen kennt, und erführen dass zwei der Teemeister in den letzen Jahren verstorben seien. Wir hätten den ältesten Teegarten in Shanlinxi besuchen können, allerdings macht die Produzentin dort nur den auf dem Markt gefragten hellen Qingxiangxing-Stil. Zudem war auch in diesem Gebiet die Erntezeit aufgrund der Trockenheit nach Hinten verschoben worden. Zu guter Letzt war paradoxerweise auch noch zwei Tage Regen angesagt - was wunderbar für die Pflanzen und für die ganze Region ist. So haben wir davon abgesehen, Dongding, Shanlinxi und Pinglin zu besuchen - wir hätten eh keine Produktion zu sehen gekriegt, und ob wir guten Tee gefunden hätten, ist mehr als fraglich. Langjährige, gut gepflegte Kontakte sind Gold wert, und genau dies hätten wir unter diesen Umständen nicht gehabt.
Zum Glück haben wir über Chou Menglin von Shuitang Zugriff auf wunderbare Tees aus ganz Taiwan, in klassischer Manier hergestellt. So haben wir ein grosses Sortiment an ausgesuchten Tees, und die meisten in diesem Reiseberichten erwähnten Tees sind bei uns erhältlich - allerdings nicht von diesen ProduzentInnen.


