Reisebericht China 2026: Dongting Biluochun

Travel stories  /  17. April 2026
Dongting Biluochun als einer der ältesten chinesischen Grüntees und die historischen Verbindungen mit anderen heutigen China-Grüntees und der Besuch bei einer Produzentin, welche als eine der einzigen heute noch die traditionelle Herstellung bewahrt / 10.-11.04.2026

Kurze Geschichte des Dongting Biluochun

Der zweitberühmteste Tee in China ist Dong Ting Bi Luo Chun. Er wird auf der Halbinsel Dongshan und auf der Insel Xishan im See Taihu südwestlich der Stadt Suzhou angebaut. Die Herkunftsbezeichnung Dongting setzt sich aus den Namen der beiden Gemeinden auf den (Halb-)Inseln zusammen, nämlich Dongshan und Jinting. Der Name Biluochun bedeutet Jadegrüne Schnecke (im) Frühling, nach Farbe, Form und Saison. Dieser Name wurde dem Tee von Kaiser Kangxi offiziell 1699 verliehen, da er den lokalen Namen Xia Sha Ren Xiang, etwa erschrecken zu Tode den Menschen Duft im Sinne von sehr intensiv duftend, zu vulgär fand. Die traditionelle Verarbeitung des Biluochun ist wohl eine der ältesten Formen des pfannengerösteten Grüntees. Die Mönche des buddhistischen Tempels Huqiushan in der Stadt Suzhou (damals ausserhalb, etwas nordwestlich der Stadt) gehörten anscheinend in der Ming-Dynastie zu den ersten, welche das wok-befeuerten einführten und perfektionierten. Huqiucha war einer der gefragtesten Tees seiner Zeit, wurde aber nur in äussert kleiner Menge im kleinen Teegarten des Tempels hergestellt. Bald wurde die Verarbeitung des Huqiucha übertragen auf die Tees, die in grösseren Mengen auf den (Halb-)Inseln im See Taihu angebaut wurden. Die Geschichte des Huqiu-Tees endet übrigens tragisch: weil der Tee so gut war, wurde er als Tribut-Tee gefordert. Die wenigen Büsche waren zu diesem Zeitpunkt bereits geerntet, der Tee verkauft. Der Abt wurde gefoltert, die Mönche rodeten die Teebüsche, um zukünftigen Forderungen zu entgehen…Spannend ist hier allerdings, das der Mönch Dafang mit einigen weiteren Teemeistern des Klosters nach Anhui floh, und dort die Wok-Befeuerung einführte und so den später berühmte Export-Grüntee Songluo entwickelte. Eine andere Erfindung von diesen Mönchen war das anpressen der Blätter an die Wokwandung, was den eher wilden Tee aus den Bergen eleganter machte und dem Blatt effizienter die Feuchtigkeit entzog. Dieser Tee trägt noch heute den Namen des Mönches, er heisst Ding Gu Da Fang und gilt als Vorbild für den heute berühmtesten aller Tees in China, dem ebenfalls flachgepressten Xi Hu Long Jing.

Besuch bei Zhang Yanhong

Wir treffen des Abends bei Zhang Yanhong ein, sie steht am Wok und verarbeitet ihren Tee. Ihre Tochter kontrolliert heute das Feuer, ihr Mann, ihr Schwager und einige ältere Dorfleute sitzen um zwei Tische und sortieren das Pflückgut. Jeder Trieb mit Knospe und Blättern wird in die Hand genommen, zu grosse Blätter werden aussortiert. Eine enorme, langwierige Arbeit.

Zhang Yanhong ist eine sehr engagierte Frau und produziert seit Jahren Dongting Biluochun Wok für Wok in traditioneller Verarbeitung. Der ganze Prozess vom Befeuern bis zum Trocknen verläuft in einem einzigen 45minütigen Wok-Durchgang. Der Wok wird mit Feuer beheizt, das Feuer und damit die Temperatur der Wok-Oberfläche wird von der Person am Feuer kontrolliert. Auf kurze Anweisung von Zhang Yanhong vermindert oder verstärkt die Person am Ofen das Feuer, mit schnell brennendem Reisig oder mit dicken, schweren Scheiten, die das Feuer vorerst verlangsamen.Jahr für Jahr verbesserte sie ihre Technik der Verarbeitung, auch im Austausch mit Weng Liping und Chen Sanmao von Les Feuilles Vertes.

Sie verpackt jede Charge separat, so können wir Wok für Wok die leichten Unterschiede schmecken. Pflückgut, Feuchtigkeit, genaue Lage, aber auch die einzelnen Wokdurchgänge ergeben unterschiedliche Tees. Im erste Durchgang ist die Temperatur im Wok zu wenig konstant, beim letzten Wok schlägt die Müdigkeit durch. Trotz allen Unterschieden ist die Produktion von Zhang Yanhong erstaunlich konsistent geworden, die Unterschiede waren früher grösser, kleine Fehler häufiger.

Sortiertes schönes Pflückgut ist portionsweise bereit für das Befeuern im Wok - der fertig getrocknete Tee wird aus dem Wok genommen

Besuch der Teegärten

Die allermeisten Dongting Biluochun werden heutzutage in elektrisch oder gasbeheizten Wok verarbeitet, der Prozess wird oft abgekürzt auf 25 Minuten, meistens wird in einem heissen Wok der Tee Befeuert, das Formen und Rollen findet dann in anderen, weniger heissen Woks statt. Zudem werden die Chargen eines oder mehrerer Tage zusammengemischt, um einen ausgewogeneren Tee zu erhalten. Zhang Yanhong ist eine der wenigen, die noch die traditionelle Herstellung bewahrt, und Tees in einer aussergewöhnliche Qualität produziert. Solche Biluochun sind wahrlich ein rares Gut, wir schätzen es sehr, ihre Tees im Sortiment von Länggass-Tee zu haben.

Hinter dem Dorf wachsen unzählige Obstbäume, vor allem Pipa. Je höher den Hügel wir hinaufgehen, desto mehr werden die Obstbäume von Teepflanzen abgelöst; oft wachsen sie auch nebeneinander. Die Familie von Zhang Yanhong hat verschiedene Parzellen mit Teegärten an diesem Hügel. Jede Parzelle ergibt im Tee einen eigenen, typischen Terroirgeschmack - sogar auf so kleinem Raum ist das zu spüren. Wir treffen Zhang Yanhong in Regenausrüstung, da nach dem Mittag Regen angesagt ist.

Am Nachmittag versammeln wir uns erneut bei Zhang Yanhong, um die bisherige Produktion dieses Jahres zu degustieren. Auch hier erfolgt die Ernte dieses Jahr sehr spät, besonders für die alten lokalen Sorten - wie überall gibt es auch hier neuere Kultivare, die früher knospen und zudem mehr Blattflaum haben, um (vermeintlich) schön auszusehen. Das heisst, so viel gibt es gar nicht zu probieren, jedoch wird dieser Tage fleissig gepflückt und wir werden einige Woks zusätzlich nehmen müssen, die wir nicht selber ausgesucht haben.

Besuch der Teegärten der Familie von Zhang Yanhong in Dongshan zusammen mit Weng Liping und Chen Sanmao.

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