Geschichte des Pu Er


Urgeschichte des Tees, Verbreitung in Asien und Verfeinerung der Verarbeitung
Die Geschichte des Pu Er reicht weit zurück, allerdings liegt vieles im Dunkeln respektive unterliegt falschen Vorstellungen. Der Süden der Provinz Yunnan bildet mit den umliegenden nördlichen Regionen der heutigen Länder Vietnam, Laos, Thailand, Myanmar und dem nordöstlichsten Teil Indiens das Ursprungsgebiet der Teepflanze. Die Urvölker dieser Regionen haben die Kräfte dieser Heilpflanze entdeckt und zu nutzen gelernt. Bis heute Essen sie milchsäurefermentierte Teeblätter mit Gewürzen oder stellen einfache gepresste Tees her, oft in Bambus eingepackt und im Rauch des Küchenfeuers getrocknet. Dies können wir als eine Art grobe Urvariante des Pu Er bezeichnen. Allerdings liegen zwischen den Anfängen dieser beiden ursprünglichen Konsumationsformen der Teepflanze Jahrhunderte wenn nicht Jahrtausende. Es ist meines Wissens nicht nachgewiesen, wann diese einfache, grobe Urform des verarbeiteten und mit Wasser aufzukochenden Tees entstanden ist.
Die Teepflanze hatte sich seit der Han-Dynastie (206 v.u.Z.-220 n.u.Z.) in ganz Südchina verbreitet und hat auch Japan und Korea erreicht. Im 8. Jahrhundert hat Lu Yu sein Buch vom Tee geschrieben, um den Tee populär zu machen. Damals wurde der Tee von den Han-Chinesen schon als Getränk zubereitet, allerdings eher als medizinischer oder ritueller Trunk mit allerlei anderen Zutaten. Lu Yu propagierte, den Tee pur zu geniessen, allerdings waren Verarbeitung und Zubereitung noch ganz anders als heute. Der Weg bis zur Entwicklung von zuerst pulverisiertem Tee (dem Vorläufer des heutigen Maccha) zum Blatt-Tee in seiner heutigen Vielfalt war noch weit. Die Urvölker im abgelegenen Yunnan blieben von den neuen Entwicklungen nicht unberührt. Die lokale Oberschicht orientierte sich an der Elite der Tang-Dynastie (618-907) und übernahm die verbesserte Verarbeitung aus Zentralchina: Dämpfen, Pressen, Pulverisieren. Zudem zeugen die vielen dicht mit heute mehrhundertjährigen Teebäumen bestandenen Teewälder von einer gezielten Kultivierung, allerdings nicht wie heute mit eng gepflanzten genetisch identischen Teebüschen, sondern mittels setzen von Teesamen in den Urwäldern.

Cha Ma Gu Dao und die Geburt des Ur-Pu’er
Eine wichtige Etappe war sicher die Produktion grosser Mengen zum Export Richtung Norden und Westen zu den nomadischen Völkern der Mongolen, Uiguren, Tibeter etc. In grossen Packen auf Pferde, Esel und Maultiere geladen, wurde Tee über weite Strecken transportiert. Von den Produktionsregionen in das Dorf namens Pu’er (heute Ning’er nahe der in Pu’er umgetauften Stadt, die vorher Simao hiess), vom Dorf Pu’er hinaus in die weite Welt. Diese Wege werden Cha Ma Gu Dao genannt, „Tee Pferde antiker Weg“. Noch heute können in den Dörfern von Yiwushan, Yibangshan und anderswo die Startpunkte dieser Wege besichtigt werden. Tee aus Pu’er hiess es, das ist wohl der Ursprung der Bezeichnung Pu Er Tee. (Eine andere Theorie besagt, dass in einer alten lokalen Sprache das Wort Pu’er ganz einfach Tee bedeute.) Auf diesen langen Strecken verdarb (oxidierte) Pulver-Tee viel zu schnell. Die Teeblätter wurden weiterhin gedämpft und gepresst, jedoch in ganzen Ziegeln oder Cakes gelassen, zudem wurden Blattstengel mitverarbeitet, was den gepressten Tee luftiger machte und die Fermentation durch Mikroorganismen erleichterte. Ausserdem wurde der Tee in Bambusrinde verpackt, die Atmungsaktiv ist, Feuchtigkeit entweichen lässt und so die Schimmelbildung erschwert. Tee war ein wichtiges Handelsprodukt, neben anderen wie Zucker und Textilien, die Han-Chinesen importierten im Gegenzug Pferde für die Kavallerie und Heilkräuter. Das Chamagudao-Handelsnetzwerk begann Anfangs der Tang-Dynastie (618-907) und wurde in der Song-Dynastie (960-1279) institutionalisiert. In der Ming-Dynastie (1368-1644) wurde der Handel weiter formalisiert und Teeziegel dienten faktisch als Währung. In der Qing-Dynastie (1644-1911) dehnte sich der Handel bis nach Indien und Nepal aus. Der Chamagudao bliebt bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts aktiv.

Tee als Tribut für den Kaiserhof
Längst wurden die besten Tees aus den gefragtesten Regionen als Tribut an den Kaiserhof geliefert. Gewissermassen standardisierte der Zwang, Tribut-Tee zu liefern, auch die Verarbeitung und führte zu Bemühungen um bessere Qualität. Wer wollte nicht den besten Tribut-Tee herstellen, um dadurch bekannt zu werden und zu profitieren? Allerdings war dies auch mit enormem Druck verbunden. Was, wenn nicht genug geliefert werden konnte, oder die Qualität nicht den Wünschen entsprach? Im Jahr 1391 wurde ein kaiserliches Dekret erlassen, dass Tribut-Tee fortan nicht mehr in Form von gepressten Teekuchen, sondern als loser Tee zu erfolgen habe. Natürlich folgten auch die ProduzentInnen von anderen Tees dem Trend des Hofes. Da aber der Geschmack der gedämpften Tees als zu matschig-grasig empfunden wurde, haben die TeeproduzentInnen neue Techniken erdacht. Nun wurde im Wok befeuert, was die Oxidationen effizienter stoppte und dem Blatt mehr Feuchtigkeit entzog - und nebenbei ein ganze Palette von neuen Geschmacksnuancen und Aromen ergab. Zudem ermöglichte diese Innovation später, andere Verarbeitungsarten wie Oolong und Schwarztee zu erfinden. Für den Transport auf den Routen des Chamagudao war loser Tee allerdings unpraktisch, so dass in Yunnan zwar wokbefeuerter Blatt-Tee gemacht, der jedoch weiterhin gepresst wurde. Im Jahr 1735 folgte die Standardisierung der Mengen. Ein Teecake hatte fortan 7 Liang zu wiegen, 7 Cakes sollten gestapelt mit Bambusrinde verpackt ein Tong zu fünf Jin ergeben. Das war um einiges praktischer zum zählen. Allerdings war damals ein Liang 37.5g, ein Jin 600g, erst in den 1970er Jahren erfolgte die Anpassung an das metrische System; jedoch wurde die Zahl von 7 Cakes beibehalten. Da nunmehr ein Jin 500g wiegt, ein Tong also 2.5kg, ergibt sich ein Cake-Gewicht von gerundet 357g.
Immer wieder gab es chinesische Kaiser, die sich dem Tee verschrieben haben. Der Kaiser Qianlong im 18. Jahrhundert aus der Qing-Dynastie ist wohl das bekannteste Beispiel. Viele der noch heute grossen Namen im Tee, nicht nur spezifisch auf Pu Er bezogen, wurden damals geprägt. Die sechs grossen berühmten Teeberge, chinesisch Liu Da Cha Shan waren damals bekannt und gefragt, die Dörfer Yibang und später Yiwu waren die politischen und ökonomischen Zentren der Region. Diese (alten) berühmten Teeberge liegen allesamt östlich des Lancangjiang (Mekong). Die Region westlich des Flusses mit dem Zentrum Menghai war nicht vollumfänglich in das chinesische Reich integriert und deshalb weniger erreichbar. Die dortigen berühmten Teeberge werden neue sechs berühmte Teeberge genannt.

Die Ära der Privathäuser, Ära Hao Ji
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurden in Yiwu die berühmten Teehandelshäuser Song Ping Hao, Tong Qing Hao, Fu Yuan Chang und andere gegründet, die bis zur Verstaatlichung nach der Gründung der Volksrepublik China bestehen blieben. Sie wurden von nach Unruhen in anderen Regionen eingewanderten Han-Chinesen gegründet. Die Lizenzen für den Teehandel und die Lieferung von Tribut-Tees wurden an diese Handelshäuser erteilt, womit sie den Markt dominierten. Sie kauften den losen Maocha von den teeanbauenden Urvölkern und mischten vor dem Pressen verschiedene Tees zusammen, um ihre Produkte konstant zu halten. Sie produzierten verschiedene Qualitäten und waren für ihre jeweiligen Produktlinien berühmt. Dazu fungierten diese Teehäuser als Kreditgeber für die Teebauernfamilien - und kontrollierten den Export. Nach dem Ende der Qing-Dynastie 1911 und damit dem Wegfall der kontinuierlichen Nachfrage des Kaiserhofes wurde Pu Er vor allem exportiert, an die chinesische Diaspora in Hongkong, Singapur, Malaysia, Vietnam und Thailand - und immer noch nach Tibet und weiter nach Nepal und Indien. Die Route nach Südostasien verlief nicht nur über Tee-Pferde-Wege, sondern oft auch über den Mekong nach Thailand oder über den Landweg nach Vietnam (ab 1910 mit der von den Franzosen gebauten Eisenbahn) und von dort per Schiff nach Hongkong und in die weite Welt. Die Ära wird Hao Ji gennant und gilt als das Goldene Zeitalter des Pu Er. Die Tees wurden sorgfältig produziert, die genauen Mischungen waren Betriebsgeheimnis. Heute sind Tees aus dieser Zeit äusserst rare Sammlerstücke und kosten ein Vermögen.

Kriegerische Wirren und Wechsel zum Schwarztee
In den wirren Zeiten des 19. und des 20. Jahrhunderts, von den Opiumkriegen und den ungleichen Verträgen mit den Kolonialmächten über Banditenunwesen, Zweiter Weltkrieg und chinesischer Bürgerkrieg bis zum Ende der Kulturrevolution war die Teeproduktion grossen Schwankungen unterlegen. Die Kantonesen entwickelten eine Vorliebe für gelagerte Pu Er und andere Heicha, vor allem aus dem nahe gelegenen Liubao. Mit Auswanderungswellen nach Südostasien, vor allem Malaysia und Singapur, breitete sich diese Vorliebe auch dort aus, später auch in Taiwan; ein wichtiges Zentrum wurde das damals englische Hongkong. Der zweite japanisch-chinesische Krieg ab 1937 brachte den Handel zum Stocken, viele Teemeister und Besitzer der Teehäuser flohen nach Hongkong, Thailand und Vietnam, später auch nach Taiwan, wo sie oft weiter mit Tee sich beschäftigten, sei es im Handel, Lagern oder sogar im Anbau. Hier wurden also die Grundsteine gelegt für die späteren Pu-Er-Lagerungshäuser in Hongkong und Taiwan. Die Elite der Teewirtschaft floh mit ihrem Fachwissen für Pu Er nach Südostasien. Die japanische Armee besetzte grosse Gebiete in Ostchina, Deviseneinnahmen durch Schwarztee-Exporte aus Qimen und Fujian vielen weg, obwohl die dortige Produktion nun zentralisiert organisiert und modernisiert und der Tee auf dem Landweg nach Norden gebracht wurde, um gegen sowjetisches Kriegsmaterial getauscht zu werden. Die Guomindang-Regierung schickte Teemeister nach Yunnan, um dort Schwarztee für den Export über die Route durch das damalige britische Birma zu produzieren. Fachkräfte vor allem aus Yiwu hatten ihre Arbeit verloren und zogen nach Menghai und in weiter nördliche Gegenden. In Fengqing, nordwestlich von Xishuangbanna gelegen, wurde ab Ende der 30er Jahre Yunnan-Schwarztee produziert: die Geburt des Dianhong. Auch die berühmte Menghai Tea Factory wurde 1940 vom Staat gegründet, um Schwarztee im grossen Stil zu produzieren. Die Birma-Route wurde allerdings jäh unterbrochen, als die japanische Armee Birma besetzte. Tee wurde fortan wieder über das Chamagudao-Netzwerk über Tibet nach Kalimpong (bei Darjeeling) oder als Beifracht zu kriegswichtigen Materalien in Flugzeugen über den Himalaya nach Assam in britisch kontrolliertes Gebiet gebracht. Kleinere Mengen wurden auch durch die Urwälder nach Laos und Thailand geschmuggelt und von den lokalen chinesischen Netzwerken weiterverteilt.

Verstaatlichung und die Entwicklung des fermentierten Shu Pu Er, Ära Yin Ji
Nach dem Sieg über Japan 1945 wurde der chinesische Bürgerkrieg wieder intensiver, bis die Kommunisten siegten; die Guomindang floh nach Taiwan. 1949 wurde die Volksrepublik China ausgerufen, die Teefirmen wurden wie alle anderen auch verstaatlicht. Die CNNP (China National Native Produce & Animal By-Products Import & Export Corporation, kurz Zhongcha genannt) übernahm die Kontrolle über Teeproduktion und Teehandel. Produziert wurde fast ausschliesslich Tees aus alten Teebäumen, moderne Plantagen gab es damals noch nicht, die Produktion erfolgte standardisiert. Diese Ära wird Yin Ji, Stempel-Ära genannt, nach den Unterschiedlichen Farben des Zeichens 茶 chá für Tee, das Umgeben war von 8 grünen Zeichen 中 zhōng für Mitte resp. kurz für China. Die beste Qualität war Hongyin, Roter Stempel, Grundsätzlich aus Tee der sechs alten Teeberge um Yiwu. In ganz seltenen Fällen sind auch die 8 zhōng Zeichen rot. Lanyin, Blauer Stempel, bestand of aus Tees aus der westlichen Menghai-Region. Lüyin, Grüner Stempel, war aus etwas günstigerem Material als Lanyin (oft blasste der blaue Stempel zu einem grün aus, was die Unterscheidung erschwert). Huangyin, Gelber Stempel, wurde ab den späten 60er Jahren produziert und enthielt mehr Knospen, wurde oft aus verschiedenen Erntezeiten gemischt. Ziyin, Violetter Stempel markierte Sonderformen, oft für den Export, meistens aus Menghai.
Der grösste Teil dieser Tees wurde nach Hongkong exportiert, um Devisen einzubringen. In Hongkong wurde der Tee feucht gelagert, um die Alterung zu beschleunigen, und dann an lokale Teehäuser oder an die chinesische Diaspora in Südostasien verkauft. Die Nachfrage nach alten respektiv gereiften Tees war riesig, die Reifung dauerte jedoch jahrelang, neue Methoden waren gefragt. Die Lagerhäuser in Hongkong experimentierten mit höherer Luftfeuchtigkeit und Besprühen mit Wasser. In Liubao in der Provinz Guangxi existierte bereits ein Heicha, der seit ca. 1950 mittels Wodui, Haufenaufschichtung, postfermentiert wurde. Mit den Ideen aus Hongkong und dem Verfahren aus Liubao wurden 1973 in den Teefabriken in Kunming und dann Menghai der postfermentierte Shu Pu Er entwickelt und perfektioniert. Nun konnte mit einer kontrollierten Fermentation in 60 Tagen ein gereifter Tee hergestellt werden.

Standardisierung und beginnende Öffnung Chinas, Ära Qi Zi
Zur selben Zeit begannen die Teefabriken in Yunnan, Rezepte einzuführen, um die Qualität konstant zu halten. So wurde bestimmt, welches Pflückgut von welchen Regionen, von welchen Saisons gemischt wurden. Die Bezeichnungen enthalten vier Ziffern, die ersten beiden für das Jahr der Einführung des Rezepts (Achtung, nicht Jahrgang des Tees!), die dritte für die durchschnittliche Blattgrösse von 0 für noch ungeöffnete Knospen bis 9 für grosse, ältere Blätter; allerdings waren die Kriterien der Pflückgut-Qualität anders als heute, und zum Schluss die Nummer für die Teefabrik: 1 für Kunming, 2 für Menghai 3 für Xiaguan, 4 für Lancang.
Die Produktion wurde noch mehr standardisiert und mechanisiert, die Cakes wurden mit hydraulischen Pressen in die Standardform zu 357g gepresst. Die grosse Nachfrage führte zum Anlegen grosser Plantagen mit Terrassentee (Taidicha), deren Blätter je nach Rezept mit Pflückgut von alten Teebäumen (Qiaomu Gushu Cha) gemischt wurden. Diese Ära wird Qi Zi, Sieben Söhne genannt. Sieben Liang Gewicht pro Cake, Sieben Cakes für ein Tong. Die Zahl sieben steht für Gemeinschaft und Zusammenhalt, sieben Söhne symbolisiert eine kinderreiche, wohlhabende und glückliche Familie. Die Tees wurden unter dem einheitlichen Marketingnamen Yunnan Qizi Bingcha vertrieben.
Als sich China Ende der 1980er Jahre zu öffnen begann, wurde Sheng Pu Er höchst selten produziert. Wenn, dann als Auftragsarbeit aus Hongkong. Die lokalen Teebauern produzierten sehr groben Maocha zum Eigenbedarf, den sie aber wie Grüntee konsumierte und nach einem Jahr mit der frischen Ernte ersetzten. Die vier staatlichen Teefabriken produzierten riesige Mengen an Shu Pu Er zum Export nach Hongkong und Südostasion und Schwarztee zum Export in den Westen. Die wunderbaren Golden Yunnan aus den 80er und 90er Jahren in Europa stammten zu grossen Teilen aus alten Teebäumen…

Verlagerung von Hongkong nach Taiwan und der Startschuss des modernen Pu Er
Anfang der 90er Jahre wurden sich Sammler in Hongkong und Taiwan dem enormen geschmacklichen und finanziellen Wert der Tees aus den 1950er und 1970er Jahren bewusst. Während vorher Pu Er nach Taiwan nur geschmuggelt werden konnte, wurde der Handel über Drittländer wie Hongkong legalisiert, was zu enormen Exporten alter Bestände aus Hongkong nach Taiwan führte, wo die alten Pu Er in einer trockeneren Lagerung veredelt wurden. Während die Hongkonger Bevölkerung weiterhin feucht gereiften Pu Er als Alltagsgetränk bevorzugte, entwickelte sich in Taiwan eine hochgebildete Teekultur, gespiesen von der Entwicklung von qualitativ hochstehenden Oolong Tees in den 1980er Jahren, die übrigens auch gelagert werden können. Sammler und Liebhaber in Taiwan fragten sich nach den Ursprüngen dieser Tees und ob solche Tees heute noch produziert würden. in den 90er Jahren reiste eine Delegation nach Yiwu, um die Ursprünge des Pu Er zu suchen und eine neue Produktion zu starten. Nach zwei eher misslungenen Versuchen wurde 1996 zusammen mit dem damaligen Dorfvorsteher Zhang Yi der erste Tee produziert, der den Start der modernen, heutigen Pu Er markiert. Während die Taiwanesen eher daran interessiert waren, die klassischen Tees der Ära der Privathäuser wiederzubeleben, war Zhang Yi an der Entwicklungsmöglichkeit seines Dorfes, seiner Region interessiert. So haben sie sich getrennt und ihre jeweils eigenen Firmen gegründet. Zhang Yi gründete die Firma Shunshixing und produzierte Tee ausschliesslich aus Teeblättern von alten Teebäumen aus ausgewählten Teewäldern in der Region Yiwu.

Entwicklungen im 21. Jahrhundert und die heutige Ära der Pu Er aus einzelnen Terroirs
Nach den Anfängen durch Zhang Yi und die taiwanesische Delegation wurde wieder vermehrt Sheng Pu Er hergestellt. Die staatlichen Firmen wurden privatisiert, viele neue Unternehmen wurden gegründet. Es entwickelte sich ein regelrechter Pu Er Boom, Pu Er wurde zum Spekulationsobjekt, die Preise stiegen, bis sich im Jahr 2007 ein regelrechter Hype entwickelte und danach die Preise zerfielen. Aus diesen Zeiten sind extrem viele gelagerte Tees im Handel oder liegen zum späteren Verkauf in Lagern. Sehr wenig davon ist guter Tee, es wurde gemischt und gefälscht, Terrassentee unter Gushu gemischt, auswärtiges Pflückgut als echter Top-Tee aus berühmter Lage verkauft. Jedoch gibt es aus dieser Zeit auch echte Perlen aus kleiner Privatproduktion. Anstatt Pflückgut verschiedener Teewälder (und/oder sogar verschiedener Qualitäten) zu mischen, begannen kleine ProduzentInnen gezielt Gu Shu Sheng Pu Er ausschliesslich aus alten Teebäumen eines einzelnen Teewaldes zu produzieren, um den Charakter eines spezifischen Terroirs zur Geltung zu bringen. So haben sich etliche Dörfer mit Teewäldern einen Namen gemacht, verschiedene Lagen sind berühmt geworden und Tee aus alten Teebäumen von berühmten Teewäldern erzielen exorbitante Preise. Die Vielfalt von einzelnen Tees von verschiedenen Bergen, aus unterschiedlichen Dörfen und von gefragteren (besseren?) oder weniger beliebten Teewäldern um dasselbe Dorf erklärt auch die grosse Spannweite der Preise - neben der Lage wird auch nach Art der alten Bäume (hochgewachsen oder geschnitten), nach Alter der Bäume (Gushu über 100jährig, Qiaomu grosse Bäume unter 100jährig, Xiaoshu kleine Bäume einige Jahrzente alt; die beiden letzten oft auch als Shengtai zusammengefasst) und nach Pflücksaison (Frühling erste Pflückzeit Touchun), später oder zweiter Frühling Erchun, Sommer, Herbst) unterschieden.
Von 2009 bis 2019 sind die Preise konstant gestiegen, mit der Zeit haben sich einige Gegenden als berühmte und gefragte Terroirs etabliert, deren Tees extrem hohe Preise erzielen. Seither sind die Preise aufgrund der eher schwierigen Wirtschaftslage konstant geblieben oder sogar gesunken. Aber Achtung: gesunken sind die Preise für Standardtees, günstige Qualitäten, ebenso Spezialitäten aus kleinen Teebäumen oder auch aus Gushu von weniger gefragten Lagen - oder ganz banal, eben jene als Gu Shu aus Toplage vermarkteten Tees, die sich dann als doch keine so guten Tees aus vielleicht nicht so alten Bäumen erwiesen…Die Preise für Tees aus alten Teebäumen aus den besten Lagen, besonders aus der Frühlingspflückung, sind konstant geblieben oder sogar gestiegen - die Seltenheit dieser Tees, die Begrenztheit der Anzahl alter Teebäume, die schwierige Zugangsmöglichkeit zu exquisiten Terroirs machen diese Tees zu Luxusproduktion, die gerade bei schwieriger Wirtschaftslage umso gefragter sind und vor allem nach dem Zusammenbruch des chinesischen Immobilienmarktes 2021-2025 wieder vermehrt als Investitionsobjekte fungieren.
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