Ältere, Gelagerte Pu Er

Neu im Sortiment  /  07. April 2026
Es ist äusserst schwierig, echte alte Pu Er zu kriegen. Ohne gute, vertrauensvolle Kontakte ist es unmöglich, es kursieren viel zu viele Geschichten und Fälschungen. Im Internet findet sich fast alles, zu jedem Preis, von billig bis teuer. Nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema können wir nun ein kleines, aber feines Sortiment an alten, gelagerten Pu Er vorstellen. Im Bild Zhang Shaohua, der Sohn von Zhang Yi (Shunshixing) mit einem Exemplar der ersten Charge des wiedergeborenen Gu Shu Sheng Pu Er von 1996.

Immer wieder kommt die Frage auf: lohnt es sich, alte gelagerte Pu Er zu kaufen? Entgegen der landläufigen Meinung ist Pu Er nicht „besser“ wenn er alt ist. Er ist reifer, durch die Postfermentation mit Mikroorganismen während der Lagerung. Ein schlechter frischer Tee ist dann ein alter, reifer schlechter Tee. Ein guter frischer Tee kann auch kaputtgemacht werden: die Lagerungsbedingungen nehmen entscheidenden Einfluss auf die Qualität. Feucht oder trocken, warm oder kühl, Luftzirkulation, Fremdgerüche - alles hat einen Einfluss. Grundsätzlich wird in feuchte und trockene Lagerung unterschieden. Besonders in Hongkong wird bewusst sehr feucht und sehr warm gelagert, um die Postfermentation zu beschleunigen (was denn auch der Ursprung war, fermentierten Shu Pu Er zu entwickeln).

Tees aus Yiwu nehmen innerhalb der Welt der Pu Er eine besondere Stellung ein. Nach dem höchstgeschätzten Tee vom Yibangshan war Tee vom Yiwushan lange Zeit Tribut-Tee für den Kaiserhof. Seit der Ablösung von Yibang durch Yiwu als politisches und ökonomisches Zentrum der Region im 18. Jahrhundert und erst Recht in der Republikzeit wurden die Tees aus den Yiwu-Bergen zum Standard für guten Pu Er. Die Ära der privaten Teehäuser war die goldene Zeit des klassischen Pu Er. Bis zum Ende der Qing-Dynastie 1911 waren die vom Staat lizenzierten Händler auch für die Lieferung von Tribut-Tee verantwortlich, doch wurde nebenbei fleissig exportiert nach Hongkong und nach Südostasien - zu den Zahlreichen chinesischen Gemeinschaften in diesen Ländern. Auch in der Zeit der staatlichen Teefabriken nach 1949 wurden die Tees aus Yiwu der höchsten Klasse zugeordnet. Selbstverständlich wurden auch damals Pu Er aus anderen Regionen produziert und exportiert, es gab auch bekannt Privatteehäuser in Menghai auf der anderen Seite des Mekong. Aber Yiwushan galt als der beste, edelste, feinste, süsseste - und das ist eigentlich heute noch so, mit ein paar Ausnahmen respektive Ergänzungen wie Laobanzhang am Bulangshan, Bingdao in Mengku oder Xigui am Bangdongshan. Im Gegensatz zu heute, wo einzelne Teewälder, Tees aus einer bestimmten Lage separat verarbeitet werden und auf die Terroireigenschaften fokussiert wird, waren die Pu Er des 19. und 20. Jahrhunderts Mischungen aus verschiedenen Teewäldern normalerweise von einem Berggebiet, eben zum Beispiel Yiwushan. Jedes Teehandelsunternehmen hatte seine eigenen typischen Mischungen und Qualitätsabstufungen.

Und das ist genau das, was Shunshixing macht. Pflückgut aus ausgewählten Lagen, ausschliesslich aus alten Teebäumen, nur aus der Frühlingspflückung, gemischt zu einem Cake gepresst. Das Mischverhältnis der Maocha (ungepresste Sheng Pu Er) aus verschiedenen Lagen sei über die Jahre gleichgeblieben. Die einzelnen Jahrgänge unterscheiden sich zum Teil deutlich in Geschmack und Qualität, was dem nicht widerspricht: das Wetter, das Mikroklima, die Verarbeitung zum Maocha machen jede Charge jeder Lage zu einem unterschiedlichen Tee; die Wetterbedingungen sind nie für alle Lagen gleich.

Ohne Shunshixing gäbe es den Pu Er in seiner heutigen Art nicht. Nach der Erfindung des fermentierten Shu Pu Er Anfang der 70er Jahre wurde fast kein Sheng Pu Er mehr produziert, wenn, dann als Auftragsarbeit aus Hongkong wie zum Beispiel Pu Er 8892. Mitte der 90er Jahren reiste eine taiwanesische Delegation auf der Suche nach den Ursprüngen des Pu Er nach Yiwu. Zusammen mit dem damaligen Dorfvorsteher Zhang Yi haben sie in den Jahren 1994-1996 versucht, wieder klassischen Pu Er Sheng Cha aus hochwertigem Pflückgut herzustellen, aus alten Teebäumen (Gu Shu), handverarbeitet und sonnengetrocknet. Zhang Yi hat danach die Firma Shunshixing gegründet und die Produktion von hochwertigem, klassischem Sheng Pu Er wieder aufgenommen - unzählige KleinproduzentInnen folgten ihm in den Jahren danach.

Im Herbst 2024 konnte Kaspar Lange zusammen mit seinem langjährigen Freund und Geschäftspartner Weng Liping von les Feuilles Vertes den Sohn von Zhang Yi in Yiwu besuchen. Zhang Shaohua übernahm die Firma Shunshixing nach dem Tod seines Vaters 2007. Wir tranken einen noch von Zhang Yi produzierten Tee, der seither unter besten Bedingungen in Yiwu gelagert wurde - nicht zu heiss, nicht zu feucht, mit kontrollierter Luftfeuchtigkeit. Von diesem Yiwu 2004 Shunshixing konnten wir dann direkt bei Zhang Shaohua kaufen. Er ist für uns ein Referenzbeispiel für Pu Er aus dieser Zeit. Ältere Tees von Shunshixing sind nur noch bei Sammlern und auf Auktionen verfügbar.

Als Beispiele für Tees vor 1990 führen wir seit einigen Jahren den erwähnten Pu Er 8892 und seit 2023 einen Shu Pu Er aus den 80er Jahren. Pu Er 8892 wurde 1988 von Wang Manyuan aus Hongkong in Auftrag gegeben, mit der expliziten Anweisung, hochwertiges Pflückgut von Gu Shu aus Yiwu zu verwenden. Ende der 90er Jahren wurde eine grosse Menge nach Taiwan verkauft, wir konnten über Shuitang in Zürich vom bekannten Händler You Jinsong einige Cakes kaufen.
Den ungepressten Shu Pu Er von Anfang der 80er Jahren konnten wir über Kontakte von Weng Liping kaufen. Mit Blick auf das Geburtsjahr von Länggass-Tee nennen wir ihn Pu Er 1983 nennen - es kann sein, dass er 1983 produziert wurde, vielleicht auch 1,2 Jahre früher oder später.
Weitere Tees aus den 80er Jahren sind schlicht zu teuer, vor allem wenn man die Qualität der damaligen Produktion bedenkt. Zu erwähnen ist hier sicher der 88 Qingbing, ein 7542 aus dem Jahr 1988, der jedoch vier bis fünfmal soviel kostet wie der 8892. Tees aus der Ära der Privathäuser existieren noch, sind aber unbezahlbar.

Aus der Zeit vor dem Pu Er Boom und dem Preiszerfall 2007 führen wir zwei weitere aussergewöhnliche Tees. Daxueshan 2000 ist eine kleine Privatproduktion aus Mengku. Das Pflückgut stammt aus wilden Teebäumen in einem seit über 1000 Jahren existierenden Urwald, der älteste Baum dort wird auf 2700 Jahre geschätzt. Die wilden Teebäume sind sicher über 1000 Jahre alt. Seit 2007/2009 ist das dortige Ökosystem geschützt, es wurde ein Ernteverbot erteilt. Nach dem Preiszerfall 2007 konnte der Tee glücklicherweise nicht verkauft werden. Weng Liping konnte für uns von Li Xiubin, dessen Vater diesen wunderbaren Tee produziert hatte, eine Menge an Cakes kaufen.
Seit 2014 kaufen wir zusammen mit Weng Liping den Tee von He San am Nannuoshan. Irgendwann erzählte er uns, dass er 2007 nicht allen Tee verkaufen konnte und diesen seither in Jinghong unter feuchten Bedingungen lagerte. Wir liessen ihn ein weiteres Jahr bei sich am Nannuoshan lagern, wo es in der Höhe trockener ist und dann zu Cakes pressen. Dieser Nannuoshan 2007 ist für uns ein Referenzbeispiel für feucht gelagerte Pu Er - wir sehen davon ab, in Hongkong gelagerte Tees zu kaufen, da Qualität und Herkunft der Tees unklar ist, bereits nach einem Jahr Hongkong-Lagerung ist dies nicht mehr klar zu erkennen.

Selber waren Kaspar und Gerhard Lange zum ersten Mal im Frühling 2007 in Xishuangbanna und seither kauft Länggass-Tee jedes Jahr Sheng Pu Er direkt beim Verarbeiter und seit 2014 zusammen mit les Feuilles Vertes direkt bei den Teebauern. Aus dieser Pionierzeit sind drei weitere in der Länggasse gelagerte Pu Er verfügbar: Yiwu 2002 ist ein Beispiel eines günstigen, einfachen Tees aus kleinen Teebäumen, den man heutzutage wohl Shengtai nennen würde. Eher kräftig und grob ist er doch ein Beispiel für viele Tees aus dieser Zeit. Die beiden Cakes Bulangshan Herbst 2006 und Bulangshan 2007 stehen für Tees aus einem einzigen Gebiet respektive von einem separaten Berg im Gegensatz den damals oft noch üblichen Mischungen aus verschiedenen Regionen. Sicher existieren bessere Qualitäten als diese drei, allerdings sind unsere vergleichsweise günstig, weil wir sie damals frisch respektive wenige Jahre alt gekauft hatten.
Seit 2009 sind die Preise für Pu Er bis 2019 ständig gestiegen und verharren seither auf hohem Niveau. Zusammen mit les Feuilles Vertes haben wir Zugang zu wunderbaren Tees in unglaublicher Qualität. Neben einigen regelmässig produzierten Tees finden wir immer wieder extrem rare, gesuchte, exklusive Pu Er aus den berühmtesten Lagen.

Besuch bei Zhang Shaohua im Frühling 2026, wir trinken Yiwushan 2006 Shunshixing und vergleichen den alten und den modernen Jutesack, die zum Formen der Cakes verwendet wurden sowie ein Exemplar der ersten Charge von 1996. Unten drei Bilder von gelagerten Pu Er in Hongkong und Taiwan