Cha Ma Gu Dao - Qing Xiang Xing - Helle & Dunkle Taiwan Oolong

Cha Ma Gu Dao  /  CMGD 17 Apr 2026
Degustation von Tee-Raritäten im Rahmen der Gesellschaft für Teegenuss 'Cha Ma Gu Dao'. Freitagabend 17.04.2026 ab 18.30 Thema: Qing Xiang Xing - Helle & Dunkle Taiwan Oolong

Ein Grund, warum Oolong aus Taiwan bei Teetrinkenden so beliebt ist, liegt wohl an seinem intensiven Duft. Viele Oolong auf dem Markt bergen ein wunderbares saftig-blumiges Aroma. Doch diese duftigen Tees sind eine jüngere Erscheinung; erst seit 20-30 Jahren verbreitet.

Die Wende von voll-fruchtigen, stark oxidierten und gerösteten Oolong hin zu hell-duftigen, leicht oxidierten und wenig gerösteten Tees wird Qingxianghua 清香化 zu Deutsch etwa „Hinwendung zur klaren/frischen Aromatik“ oder „Qingxiangisierung“ genannt. Wobei „Qing“ mit frisch, klar, hell, rein, oder leicht und „Xiang“ mit Duft oder Aromatik übersetzt werden kann. Ein Oolong dieser Machart nennt man zur Unterscheidung von dunkleren Tees auch Qingxiangxing 清香型, wobei „Xing“ mit Typ oder Stil übersetzt werden kann.

Die Qingxiangnisierung ist eine der markantesten, wenn nicht sogar bedeutendste Entwicklung in der jüngeren Geschichte des Tees.
Ihren Anfang nahm sie in Taiwan der 1970er und 80er Jahre. Damals erstarkte die Vorstellung, dass Teepflanzen die über 1000m.ü.M wachsen den besten Tee ergeben. Viele auswärtige Bauern beobachteten und lernten in der altehrwürdigen Teeregion Dong Ding, im Landkreis Nantou, die dortige hochentwickelte Teeverarbeitung. Zuhause rodeten sie hochgelegene sonnige Berghänge und bauten Teegärten an. Den Tee verarbeiteten sie dann bewusst mit gesenktem Oxidationsgrad und niedrigen Temperaturen beim Trocknen. Dies betonte den ohnehin starken Duft der Hochlandtees. Zudem verbreitete sich das Narrativ, dass diese Herstellungsart lasse den Eigengeschmack der Teeblätter und somit seine Herkunft besser hervortreten.

Durch neue Maschinen konnten Teebauern ihren Tee selbst von Anfang bis Schluss verarbeiten und bei Wettbewerben einreichen. Getrieben durch steigenden Wohlstand, politische Massnahmen wie Wettbewerbe, raffinierte Herstellungsmethoden und eine wachsende Premiumtee-Community entstand über die Jahre eine neue, hochwertige Art von Oolong mit Bewusstsein für Terroir.

Hochland-Oolong mit Qingxiang-Profil wurde um 1990 zum wichtigsten taiwanischen Tee und dominierte Produktionsmenge, Anbaufläche und Preis. Davon waren mit Ausnahme des ohnehin nicht oxidierten Grüntees praktisch alle taiwanischen Teearten betroffen. Selbst beim Schwarztee streben neuere Produkte durch teiloxidierte Herstellungsweisen bewusst ein leichteres, eleganteres Profil an. Gleichzeitig breitete sich der Trend weiter in ganz Ostasien aus. Allenthalben wurden selbst stolze Oolong Traditionen wie der traditionelle Tie Guan Yin auf den Kopf gestellt, bis man auf den Teemärkten von Anxi nur noch grün sah. So suchten auch wir jahrelang den traditionell gemachten, das heisst lang oxidierten und sorgfältig gerösteten Oolong, wie die Nadel im Heuhaufen.

Es ging nicht lang, da beklagten die ersten den Verlust ihres „alten“ Tees, doch mit einer gewaltigen Nachfrage nach Qingxiang Tee zwang der Markt viele die Tee produzierten oder damit handelten zur Anpassung an den neuen, von Mainstream diktierten Stil. Doch in den letzten 10 Jahren zeichnet sich Gegenwind ab. Einige bewerben ihre Manufakturen und Tees absichtlich mit dem marketingtechnisch wertvollen Wort „traditionell“ und setzten auf dunklere Oolong. So ist wohl anzunehmen, dass das Pendel zumindest an einigen Orten zurückschwingt und uns eine breitere Auswahl an Tees mit warmem Charakter und wohliger Tiefe beschert.

Die Frage bleibt: Wie soll Oolong eigentlich schmecken? Was ist gut, was ist echt, was ist traditionell? In dieser Ausgabe des Cha Ma Gu Dao trinken wir einige seltene und spannende taiwanesische Oolong von hellem und dunklem Stil.

Degustation: Qing Xiang Xing - Helle & Dunkle Taiwan Oolong

1) Yunnan High Mountain
2) A Li Shan Jin Xuan
3) Shan Lin Xi
4) Ta Ta Jia

5) A Li Shan
6) Li Shan
7) La La Shan
8) Lao Dong Ding


Im Gong Fu Cha 3-5 Aufgüsse à 3 Gramm.

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