Reisebericht China 2026: Xi Hu Long Jing


Besuch bei Weng Liwen im Dorf Wengjiashan
Um halb acht Uhr treffen wir Weng Liwen beim Eingang des Dorfes Yangmeiling und gehen zusammen zu den Teegärten von Jiuxi, wo heute Morgen Tee gepflückt werden soll. Durch ein schönes Stück Wald – nicht ganz so wild wie die Urwälder in Yunnan – gelangen wir auf eine langgezogene Lichtung, wo Teepflanzen für Longjing angebaut werden. Die runden, einzeln stehenden Büsche sind die alte lokale Sorte (Laolongjing, oft auch Longjing Quntizhong oder Jiukengzhong genannt), die dicht gepflanzten Reihen sind Longjing Nr. 43, ein aus der lokalen Sorte gezüchteter neuerer Kultivar, der etwa seit Ende 80er Jahre angebaut wird, widerstandsfähiger ist und früher gepflückt werden kann. Die Parzelle von Weng Liwen besteht aus Teebüschen aus dem 19. Jahrhundert, im Gegensatz zum letzten Besuch im Jahr 2019 hat er sie nun hochwachsen lassen. Ein wunderbares Bild von einem halbverwilderten Teegarten mit über 100jährigen Büschen, ein seltenes Bild bei Grüntee. Aus diesen Büschen wird unser Lao Cong Long Jing gemacht.
In den Teegärten des Dorfes Wengjiashan hat Weng Liwen ebenfalls Teegärten, genauer in Dashantou, mit alten Sorten und Nr. 43, von dort stammen unsere Wengjiashan Longjing, im Jahr 2025 hatte wir von dort auch Ming Qian Long Jing und Ming Qian Long Jing Nr. 43. Dieses Jahr wird es allerdings keine vor dem chinesischen Totenfest Qingming geernteten Tees geben. Ein grosses Problem der letzten Jahre ist die Trockenheit. Besonders dieses Jahr ist die Ernte sehr spät ausgefallen, weshalb es fast keine Mingqian Longjing gibt, wenn, dann vor allem aus Nr. 43 – oder stark gedüngt, oder aus tieferen, weniger tollen Lagen; und unglaublich teuer. Die klimatischen Probleme werden verschärft durch menschliche Eingriffe, so hat zum Beispiel der schon ältere Strassentunnel den Wasserhaushalt des Hügels durcheinandergebracht. Es sollte auch eine Metro das Xihu-Gebiet untertunneln und bis Meijiawu gebaut werden, was zum Glück durch das Vorsprechen verschiedener Teeleute bei den Zuständigen verhindert werden konnte.











Typisch für Wengjiashan Longjing sind ausgeprägte Röstnoten, Weng Liwen röstet viel sanfter als noch sein Vater damals. Im jahrelangen Austausch mit Weng Liping und Chen Sanmao von Les Feuilles Vertes hat er seine Verarbeitungstechnik verbessert und seine Vorstellung, wie ein Xihu Longjing schmecken soll, entwickelt. Eine der Fragen ist, wie feucht soll das Pflückgut nach dem Befeuern sein und wie lange soll es ruhen, bis zum Formen und Trocknen? Vor einigen Jahren hatten wir lange darüber diskutiert und auch nach einer Degustation gefunden, dass der Tee erst am nächsten Tag getrocknet werden sollte, was allerdings extrem aufwendig ist. Mittlerweile produziert Weng Liwen die Tees so, dass sie nach dem Befeuern noch viel Restfeuchtigkeit im Blatt enthalten und lässt sie ca. 3 Stunden ruhen. Spannende Fragen, interessante Details – was ergibt am Schluss den besten, den typischsten Tee?
Befeuert (Shaqing) wird seit circa 15 Jahren normalerweise maschinell, Formen und Trocknen der Blätter geschieht nach wie vor im elektrisch beheizten Wok von Hand; allerdings nur die besten Qualitäten, längst ist es nicht nur für günstige Longjing von ausserhalb, sondern auch hier im Originalgebiet normal, ganz maschinell verarbeitete Tees zu produzieren. Weng Liwen ist sehr engagiert, das traditionelle Handwerk der 100% von Hand verarbeiteten Longjing zu behalten und lehrt dies seinem Sohn und diversen SchülerInnen. Zudem nimmt er jährlich an den Wettbewerben des 100% handverarbeiteten Shifeng Longjing teil. Die Teemeister sitzen alle im selben Raum an je einem Wok und erhalten eine Portion Pflückgut des Tages, welches sie handverarbeiten müssen, Shaqing im Wok, danach Formen und Trocknen im Wok. Letztes Jahr hat er den Silberpreis gewonnen, dieses Jahr wurde er vierter.








Besuch bei Lu Qiangfu im Dorf Longjing
Das Dorf Longjing gilt – selbstredend – als Ursprung des Longjing-Tees, hier sind auch der namensgebende Drachenbrunnen zu finden und die berühmten 18 Teebüsche, welche Kaiser Qianlong für seinen Tribut-Tee ausgesucht haben soll. Streng genommen dürfen nur Tees aus den Teegärten um das Dorf Shifeng Longjing genannt werden; oft werden die Tees aus Wengiiashan dazugezählt, obwohl diese streng genommen den zweiten Platz einnehmen innerhalb der Hierarchie der Xihu Longjing (danach folgen Yangmeiling, Manjuelong und Meijiawu). Es gibt verschiedene Klassifizierungssysteme, in anderen gehören auch Yamgmeiling und Manjuelong zur Klasse des Shifeng.
Die Tees aus dem Dorf Longjing sind filigrane, elegante, blumige Tees. Es ist schwierig die Balance zu finden zwischen blumig und zuviel grasig-grün; wenn nicht genug befeuert wird, bleibt der Tee zu roh und adstringierend, wenn das Shaqing zu intensiv ist oder zu fest geröstet wird am Schluss werden die blumigen Orchideen-Noten zerstört.
Seit 2016 kaufen wir Long Jing Shi Feng von Lu Qiangfu. Mit seiner Familie bewirtschaftet er verschiedene Teegärten um das Dorf Longjing, der unserer Meinung beste seiner Teegärten ist beim Tempel Hugongmiao, im Tal hinter den 18 berühmten Longjing-Büschen, wirklich im Kerngebiet des Longjing Shifeng.
Auch er hat dieses Jahr bisher sehr wenig Tee ernten können, Mingqian Longjing nur aus dem Kultivar Nr. 43. Er ist schon über 70 Jahre alt, sein Schwiegersohn hilft ihm mit der Teeproduktion. Aber an den Wok darf er nicht. Er ist nicht aus der Gegend und daher kann er nicht an den Kursen zur Verarbeitung von Hand im Wok teilnehmen, welche das Dorf für Einheimische anbietet, um das Handwerk nicht zu verlieren. Seine Frau, also die Tochter von Lu Qiangfu, nimmt daran teil, weil sie nun auch die Notwendigkeit erkannt hat, dass jemand in ihres Vaters Fussstapfen treten soll. Bisher hat sie sich wenig um die Teeproduktion gekümmert, hat jedoch den Verkauf und also die Preise unter ihrer Kontrolle.










Vergleiche auch die Reiseberichte älterer Besuche
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