Das Dorf Hoshino florierte als Teeanbaugebiet und so war auch die Herstellung von Teekeramik Teil der dörflichen Industrie, die Hoshinoyaki genannt wurde, Keramik aus Hoshino. Hoshinoyaki hat über 300 Jahre Geschichte. In der Edo-Zeit (1603-1868) war es der offizielle Ofenkomplex des Lehens Kurume (die Stadt Kurume existiert noch heute). 1894 wurde der letzte Ofen geschlossen und die Produktion von Hoshinoyaki hörte auf. Erst 1968 hat 山本源太 Yamamoto Genta sich in Hoshino niedergelassen und die Produktion von Hoshinoyaki wiederbelebt. Heute sind nur noch drei Öfen übrig, darunter 十篭 Jugomori. Dies bezieht sich auf den gleichnamigen Wald und heisst wörtlich „zehn Einkehr, Klausur“.
Der Ofen von 丸田修一 Maruta Shuichi ist ein Hangofen mit mehreren Kammern, japanisch 登窯 Noborigama, wörtlich ein „hinaufkletternder Ofen“. Noborigama „klettert“ am Berg, die Hitze aus der unteren Kammer wärmt die obere Kammer vor, der Ofen ist thermodynamisch effizienter als Vorgängermodelle und es können grössere Mengen produziert werden.
Maruta Shuichi produziert unglasierte Keramik 焼締め Yakishime, wörtlich „Keramik festziehen, zubinden“. Er hat sich spezialisiert auf die Techniken 櫛目 kushime, Kammkeramik (wörtlich „Spur der Kammzinken im Haar“) und 窯変 yohen, also Verformung bzw. Verfärbung beim Brand. Eine weitere Besonderheit von Maruta-san sind 花文象嵌 hanabun zogan, „Blumenmuster Intarsien”.
Eine spannende Variante seiner Kunst ist die Regenbogen-Yakishime, genauer 夕日焼 Yuhi Yaki, „Sonnenuntergang-Keramik“. Dafür legt er vor dem Brennen Reisstroh in Holzofen um die Stücke, welches punktuell und kurz mehr Hitze erzeugt und so die Farben entstehen lässt. Diese Technik war im 19. Jahrhundert verloren gegangen. Die Farben lassen sich über die Wahl des Tons und die Positionierung im Ofen beeinflussen. Allerdings lässt sich nicht alles kontrollieren, Asche und Feuer bestimmten das Ergebnis. Es sind von der Natur gemachte Farben, welche die Erde selbst repräsentieren. Wie bei anderen Holzbrandöfen ist die Zahl der Ausschusswaren hoch, nur was den Ofen überlebt kommt aufs Gestell für den Verkauf - und wohl auch nur was Maruta-san gefällt. Einmal im Jahr wird die Keramik gebrannt.
Im Frühling 2025 waren wir zu Besuch bei unseren Teelieferanten in Hoshino und hatten damals Maruta Shuichi per glückliche Zufall gefunden und seine Keramik für uns entdeckt. Nun endlich sind die von uns gekauften Stücke bei Länggass-Tee im Verkauf. Vergleiche auch den Reisebericht zum Thema Keramik in Japan sowie die News zu Porzellan aus Imari.